Ist Monogamie unnatürlich? – Teil II

Im zweiten Teil dieser Doppelfolge machen Jeany & Flo einen Abstecher ins Tierreich. Sind Schwäne tatsächlich so monogam, wie landläufig angenommen? Anschließend kommen die beiden ins philosophieren: Ist Monogamie aus ihrer Sicht natürlich oder sinnvoll?

Dass unsere nähsten Verwandten, die Bonobos, in Clanstrukturen leben und was Sexualität dort für eine Bedeutung hat, erfahrt ihr in dieser Folge. Auch die Pinguine haben ein interessantes Sozialverhalten. Es gibt sogar Pinguin-Kindergärten und sie verpartnern sich jedes Jahr neu – mit dem*r gleichen Artgenoss*in oder einer*m anderen.

“I would like my partner to be taller” ist eine der häufigsten Antworten von Frauen bei okCupid. Doch wie politisch ist das Private, wenn wir damit gesellschaftliche Normen prägen oder erhalten? Jeany & Flo machen auch einen Abstecher zum Thema Freiwilligkeit, mehr dazu kommt aber in der nächsten Folge.

Die Folge schließt damit, was für die beiden Glück bedeutet und ob es überhaupt möglich ist, soziale Normen zu überwinden – oder ob der Weg das Ziel ist.

Monogamie ist ein Zeichen von Überfluss.

Flo

Haben wir einen wichtigen Punkt vergessen? Gibt es einen Weg zwischen Anpassung und Autonomie, der zur Maximierung von Glück führt? Und was bedeutet für dich überhaupt Glück? Schreib es uns in die Kommentare – wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

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2 Gedanken zu „Ist Monogamie unnatürlich? – Teil II“

  1. Huhu,

    ich finde es spannend – und für mich persönlich wenig nachvollziehbar – dass die meisten Frauen (auf okcupid) einen Partner wollen, der größer ist als sie selbst. Bei mir ist es eher andersrum, also ich würde keinen größeren Partner wollen (insbesondere mit einem größeren Mann hätte ich ein Problem). Mir war es schon immer wichtig, dass die andere Person höchstens so groß ist wie ich selbst und bisher waren meine Partnerpersonen auch alle gleich groß oder kleiner als ich (aber es ist nicht so, dass ich speziell nach diesem Kriterium gesucht habe).

    Das mit dem Geruch und der Partnerwahl ist ein interessantes Thema. Es heißt, dass man sich gerade von den Menschen (deren Geruch) angezogen fühlt, die einen möglichst anderen Genotyp im Vergleich zu dem eigenen haben. Es geht ja darum, die Diversität im Genpool zu erhöhen. Ob das beim Menschen so funktioniert? Ich weiß es nicht. Ich habe jedoch schön öfters gelesen, dass z.B. die Einnahme der Pille den Geruchssinn bzw. die olfaktorischen Vorlieben derart verändert, dass man sich eher zu solchen Partnern hingezogen fühlt, die größere Ähnlichkeiten mit einem selbst haben. Bei sowas frage ich mich dann immer, wie frei die menschlichen Entscheidungen denn wirklich sind. Vielleicht denken wir auch nur, dass wir wirklich frei entscheiden können, dabei werden wir eigentlich von sehr vielen internen und externen Faktoren bestimmt (derer wir uns nicht alle bewusst sind).

    Das ist eine gute Frage, ob es eine eigene Bezeichnung gibt für Menschen, die poly leben (poly offen sind), aber gerade nicht mehr als eine beziehung brauchen/wollen? Ich kenne bisher nur noch die Begriffe “mono poly” (wenn in einer Beziehung eine Person mono ist und mit einer poly Person zusammen ist) und “solo poly”, aber das ist ja beides etwas anderes. Vielleicht macht ihr nochmal eine extra Folge zum Thema mono poly Beziehung, also welche Schwierigkeiten es geben kann, wie man als mono Person damit umgehen kann, wenn der Partner poly ist, wie man auch mit den Vorurteilen von Aussen umgehen lernt als mono person, die mit einer poly Person zusammen ist etc.

    Aber da wird wirklich selten von berichtet: meist ist eine person mono und kommt mit poly nicht klar (insbesondere, wenn die Beziehung erst mono lief und dann geöffnet wurde) oder beide sind poly und daten bzw. haben andere Beziehungen… Aber fast nie geht es darum, dass eine Person mono ist und es reicht ihr so, sie ist so zufrieden und der Partner ist poly. Das scheint sowohl von der mono als auch von der poly Seite oft tabuisiert zu sein. Von der Seite anderer mono Personen kommt dann z.B.:”Wie kannst du mit so jemandem zusammen sein (“Untreue, Vorstellung von wahrer Liebe etc.”)”? Und von der poly Seite kommt ganz oft: “Das ist mir zu kompliziert, mit einer mono Person zusammen zu sein, ich würde von Vornerein nur wen daten, der selbst auch poly ist.” Aber nimmt man sich selbst dadurch nicht die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln? Denn es sind ja auch nicht alle Monos gleich.

    In meiner Partnerschaft habe ich auch die Option poly zu leben, ich weiß aber nicht, ob ich das möchte bzw. es das Richtige für mich ist. Ich merke aber, dass ich ein Problem mit der Vorstellung hätte, dass meine Partnerperson neben mir weitere Beziehungen führt, ich aber “nur” die Partnerschaft zu ihr hätte. Da habe ich wohl dieses Bedürfnis nach (vermeintlicher) Vergleichbarkeit, also auf dem “gleichen Level” zu sein. Rational gesehen macht das nicht wirklich Sinn, weil ja Beziehungen nicht miteinander vergleichbar sind, aber irgendwie habe ich da dennoch das Gefühl, dass sie dann mehr hätte als ich und ich das dann auch haben müsste, um mithalten zu können. Ob man noch eine weitere Partnerschaft eingeht, ist natürlich auch eine Frage der eigenen Kapazität und es wäre dem anderen Menschen gegenüber ja auch nicht gerecht, nur deswegen mit diesem eine Partnerschaft einzugehen, um selbst noch eine weitere Partnerschaft zu haben. Da geht es wohl auch um das Thema Konkurrenzdenken. Also für mich ist es manchmal nicht nur so, dass ich mich mit der meta Person vergleichen würde und sie als Konkurrenz empfinden würde, sondern auch meine Partnerperson könnte für mich zur Konkurrenz werden (Vergleich: wer hat mehr Partnerschaften?).

    Die Aussage “Ich finde neben meinem Partner andere Personen nicht attraktiv”. Ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die es nicht mitbekommen, wenn sie eine andere Person attraktiv finden, weil sofort bei der kleinsten Regung die unbewusste “Moralkeule” zuschlägt “…hm die Person da sieht ja ganz attraktiv aus”…”was, das tut man nicht, du liebst doch nur xy und wenn du das empfindest, dann liebst du sie wohl doch nicht?!”…”ja ok, nein, ich liebe ja nur sie, also ignorier ich die andere Person jetzt”. Und das alles läuft unterbwusst ab und ist der Person selbst nicht einmal bewusst, sodass sie wirklich davon ausgeht, dass sie nur die Partnerperson attraktiv findet.

    Dieses Vorurteil “Ihr habt die eine wahre Liebe nur noch nicht gefunden” ist zudem sehr exkludierend gegenüber aromantischen Menschen (es gibt eben Menschen, die keine romantische Anziehung erleben und die sich nicht verlieben in andere) und auch gegenüber Menschen, die einfach keine (romantische) Beziehung wollen. Aromantische und asexuelle Menschen hören ja oft auch solche Aussagen wie “du musst nur noch die richtige Person finden, dann hast du auch Bock auf Sex/dann verliebst du dich auch”. Ich frage mich auch, woher man denn wissen will, ob die aktuelle Liebe, die wahre bzw. die größte Liebe ist. Es gibt da doch keine Vergleichswerte und da jeder Mensch ein Individuum ist, fühlt sich doch dann auch die Liebe zu dieser Person immer irgendwie anders an. Diesen Gedanken “was für mich selbst gut ist, wird auch für andere gut sein”, das wirkt auf mich ziemlich übergriffig und grenzüberschreitend, insbesondere, wenn man die Person nicht darum gebeten hat. Sehr viele Menschen verhalten sich so und das habe ich mich oft gefragt, warum sie sich das rausnehmen. Es unterstellt ja irgendwie auch wieder der anderen Person eine gewisse Unmündigkeit, als wüsste diese nicht, was am Besten für sie wäre.

    Und diese Aussage, dass ich mich ja nur nicht festlegen wollte, das habe ich in meiner ehemaligen Therapie mir oft anhören müssen, jedoch in einem anderen Kontext. Dort wurde es immer so hingestelt, als würde es zum Erwachsenwerden dazu gehören, dass man sich dann irgendwann auch mal festlegen müsste (ging um das Thema Identität und um den Beruf). Ich sehe das eher skeptisch, warum muss ich mich für irgendetwas überhaupt festlegen? Klar ist alles irgendwie begrenzt und endlich. Ich habe z.b. nicht genug Lebenszeit um sämtliche Dinge zu lernen, die ich gerne lernen würde (weil ich ja arbeiten gehen muss, um Geld zu verdienen) und ich kann aufgrund der Zeit und meiner Kapazitäten auch nicht mit unbegrenzt vielen Menschen Beziehungen führen. Aber warum soll ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten nur auf eine Sache festlegen und warum würde mich das erwachsener machen? Was ist so erstrebenswert daran, erwachsen zu sein? Bedeutet Erwachsensein nach dieser Definition, dass man sich damit abgefunden hat, nur ein Rädchen im Getriebe dieser Gesellschaft zu sein und zu funktionieren? Ich frage mich, ob da was dran ist oder ob es wieder nur mit gesellschaftlichen Normen zu tun hat.

    1. Hej Maria,

      “Aber fast nie geht es darum, dass eine Person mono ist und es reicht ihr so, sie ist so zufrieden und der Partner ist poly. Das scheint sowohl von der mono als auch von der poly Seite oft tabuisiert zu sein.” – zu “was passiert, wenn eine Person mono und die andere poly ist” haben wir auch noch ne Folge geplant. Wahrscheinlich werden wir auch analysieren, wie man das dann so hinbekommen kann 🙂

      Den (gefühlten) Vergleich “wer hat mehr Partnerschaften” kann ich durchaus nachvollziehen. Ich glaube, dieses Vergleichen ist etwas zutiefst menschliches (auch wenn es nicht förderlich ist) und in Beziehungen äußert sich das entweder als Eifersucht oder eben in “wer hat mehr/bessere Partner*innen”. Das Konkurrenzdenken kann ja auch dadurch angefacht werden, dass Zeit nicht teilbar ist und bei mehreren Beziehungen ja im Prinzip tatsächlich Zeit vom/von der Partner*in “verloren” gehen kann. Aber Vergleiche bringen an sich immer mehr Leid als Glück.

      Guter Gedanke mit dem Erwahsen werden! Ich glaube auch nicht, dass man sich auf etwas festlegen muss, um erwachsen zu sein. Ich halte das sogar für sehr toxisch, denn damit nimmt man Situationen, die einem evtl. gar nicht gut tun, so hin, anstatt sich die Kraft einzugestehen, sie ändern zu können.

      Liebe Grüße!

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