Zeitmanagement in alternativen Beziehungsformen

In dieser Folge sprechen Jeany und Flo über ein Thema, das in Polykülen sehr wichtig ist: wie kann ich Zeit für meine unterschiedlichen Beziehungen einräumen?

Die Folge startet mit einer einfachen Erkenntnis: Wenn viele Menschen und vielleicht sogar Kinder im Polykül involviert sind, kann ein gemeinsamer Kalender sinnvoll sein. Flo hatte mit seiner Expartnerin den Versuch gestartet, so einen Kalender einzurichten und erzählt von seinen Erfahrungen damit.

Auch ob man zusammen wohnt oder nicht, ändert etwas an gemeinsamer Zeitplanung: Zeit mit dem/der “Nestpartner*in” wird häufig als selbstverständlich wahrgenommen. Hier ist es wichtig, Bedürfnisse nach Zeit zu zweit zu kommunizieren.

Jeany & Flo benutzen keinen gemeinsamen Kalender – regelmäßig sprechen sie darüber, welche Termine sie geplant haben und versuchen dabei, sich nicht in die Quere zu kommen. Auch eine gemeinsame Chatgruppe und Zeit zu dritt verbringen zu können, kann die Zeitplanung sehr vereinfachen.

Wie ermöglichst du es, all deinen Beziehungsmenschen genug Zeit einzuräumen? Ändert sich das Zeitmanagement in Polykülen mit Kindern? Hast du Absprachen in deinem Freundeskreis, wer mit wem wie viel Zeit verbringt? Schreib es uns in die Kommentare – wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

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Ein Gedanke zu „Zeitmanagement in alternativen Beziehungsformen“

  1. Hey ihr beiden, da ihr gefragt habt: Hier mal was zu unserer Poly-Konstellation und dem Zeitmanagement. Da gibt es (für die Frage des primären Zeitmangements aus meiner Sicht, jede*r von uns ist da in einer etwas andere Position, logischerweise, und es gibt natürlich noch weitere Personen) aktuell mich, Person A, mit der ich lange in einer Beziehung bin, unsere gemeinsamen Kinder und zwei weitere, langjährige feste Partner*innen von A – nennen wir sie ganz kreativ B und C (ohne damit irgendeine Hierarchie zu implizieren).

    A, die Kinder und ich leben zusammen relativ beengt in einer mittelgroßen Wohnung mit nur wenigen Zimmern, eine*r der beiden anderen lebt allein, eine*r in einer WG – beide allerdings (für den Alltag) recht weit weg: eine Fahrt braucht jeweils 45-60 Minuten (egal ob von zu Hause oder der Arbeit aus). Das macht Spontaneität sehr schwierig.

    Unser kurfristiges Zeitmanagement läuft so, dass wir in einer gemeinsamen Messenger-Gruppe (die, wie bei euch, auch mehr zu alltäglicher Kommunikation und In-Verbindung-Sein dient) zum Ende der Woche hin die jeweils nächste planen, wobei es dabei überwiegend um die Frage geht, wer nachts mit A zusammen schläft – und wo. Dabei achten wir darauf, dass wir die Abende/Nächte sowohl gleichmäßig, als auch im Wechsel auf alle drei Partner*innen von A verteilen. Hintergrund ist, dass wir alle drei A am liebsten mehr oder weniger täglich bei uns hätten und es so einfach am “fairsten” ist. Das ist ein den Umständen geschuldeter Konsens, den alle mittragen. Häufig (aber bei weitem nicht immer) gehen drei Nächte an A und mich (und jeweils zwei an die anderen), weil das dann auch die Abende sind, an denen A mehr Zeit für sich allein hat – wie ihr schon angedeutet habt, besonders für eine Person in einer Position wie A (mit mehreren intensiven Beziehungen) gar nicht so einfach.

    Wir schauen dann also, wer für die kommende Woche schon irgendwelche Termine hat (was insofern einigermaßen einfach ist, weil nur ein*e einzige*r von uns allen häufiger am Abend was unternimmt bzw. regelmäßig weitere Personen datet) und ich mache dann einen Vorschlag (meist bin ich die Person, die die Planung sowohl anstößt, als auch vorantreibt, was ich gern tue und sicherlich ein großer Vorteil für unser Netz ist), den wir wenn nötig so lang modifizieren, bis es einigermaßen passt. Sollte jemand in der letzten Woche/Zeit etwas zu kurz gekommen sein, versuchen wir, das auszugleichen durch einen Abend mehr.
    Schwieriger ist es noch mit den Wochenenden, da es (aus beruflichen Gründen aller Beteiligten und wegen der Kinder, siehe unten) die einzige Gelegenheit ist, länger Zeit zu zweit zu verbringen. Im Idealfall funktioniert es so, dass jede*r Partner*in von A an einem Tag – da ist dann der Freitag mit drin, wo A nicht arbeitet – ausschlafen kann. Das sind auch die Nächte, die A dann häufig bei den anderen zu Hause verbringt (Ausschlafen und vor allem die Ruhe danach sind dort einfach wahrscheinlicher) – für A auch immer wieder sehr wichtig, um Abstand zum oft anstrengenden Alltag mit Haushalt und Kindern zu haben.

    Mittelfristige Planung gibt’s nur insofern, als (mindestens) zwei von uns, die etwas miteinander unternehmen wollen, was längerfristig festgelegt werden muss, die anderen darüber informieren bzw. wenn nötig gemeinsam gucken, wie das terminlich für alle am besten zu machen ist. Letztes Jahr hatten wir über einige Monate außerdem die Zielsetzung, dass A jeden Monat ein ganzes Wochenende entweder mit B oder mit C hat (im Wechsel dann). Das war an sich gut, ist aber irgendwie wieder eingeschlafen. Auch gemeinsame Unternehmungen mit allen fallen in die mittelfristige Planung, weil so etwas meist mehrere Wochen Vorlauf braucht, leider.

    Da ihr auch immer mal wieder vermutet, dass es mit Kindern sicher noch anders/schwieriger sei: Das Problem bei uns sind weniger die Termine der Kinder (sie haben nicht besonders viele und die fallen nur auf die Nachmittage und Wochenenden), als die Tatsache, dass zumindest im Haushalt von A und mir nur während der Zeit von Schule und Nachmittagsbetreuung _kein_ Kind zu Hause ist – meistens sind es dagegen (gerade auch außerhalb der typischen Erwerbsarbeitszeiten) alle. Und da sie auch eher Nachteulen sind, kehrt hier vor 21 Uhr keine Ruhe ein – während aktuell B, C und ich alle drei früh aufstehen müssen. Sprich: Kinderfreie Zeiten sind zumindest in diesem Haushalt wirklich, wirklich selten und bringen außerhalb davon eben immer die Notwendigkeit einer Regelung der Aufsicht mit sich. B und C sind häufig auch am Wochenende tagsüber hier, das ist für die Kinder auch ganz normal, sie gehören irgendwie mit zur Familie (aber ist eher ein Thema für einen eigenen Beitrag). Sie übernehmen auch durchaus die Kinderbetreung, wenn A und ich mal gemeinsam tanzen gehen wollen oder so (jetzt in Corona-Zeiten leider weggefallen). Das berührt auch den Punkt, der das Leben mit Kindern in einem Haushalt (für die man Erziehungsverantwortung und zu denen man eine gewisse Nähe hat) so fundamental vom Leben ohne unterscheidet und was viele Nicht-Eltern (ob nun biologisch oder nicht) sich meiner Beobachtung nach gar nicht vorstellen können: Die Verantwortung 24/7 für einen oder mehrere andere Menschen, die (lange Zeit zumindest) krass abhängig sind. Und auch die Verantwortung für den gemeinsamen Haushalt, der wahnsinnig schnell unordentlich und dreckig wird und wo es angesichts dessen zumindest uns so geht, dass wir nicht einfach mal sagen können, dass irgendetwas anderes länger Priorität hat, die Wohnung auch mal ein paar Tage warten kann oder man wirklich viel Zeit zu zweit verbringt (was besonders für A und mich gilt, aber die anderen bekommen das schon auch deutlich mit). Schulpflicht schränkt auch massiv ein (sowohl die Tagesstruktur, als auch die Planung von Unternehmungen und vor allem allen Aktivitäten, für die Urlaub genommen werden muss) und ist nicht verhandelbar.

    Insofern vielleicht als kleines Fazit dazu: Wir kommen auch mit Kindern ohne geteilten Kalender aus – aber das liegt zum Teil auch einfach daran, dass die Spielräume viel, viel enger sind. Ich behaupte: Als Eltern gibt es (häufig) keinen “Feierabend” und auch kein “Wochenende” – jedenfalls nicht in dem Sinne, wie es positiv mit frei einteilbarer Zeit entlang der eigenen Bedürfnisse verknüpft wird. _Das_ ist die zentrale Herausforderung. Zusätzlich zu den Herausforderungen, denen man sich wohl immer stellen muss, wenn man mehrer (zeit-)intensive, wie auch immer geartete Beziehungen führt. Dafür können mehr Erwachsene mit enger emotionaler Bindung und der Bereitschaft, selbst (ab und an) Verantwortung für die Kinder zu übernehmen, wahnsinnig entlasten.

    (Und noch ein kleiner Nachtrag zur praktischen Planung: Gerade heute erst habe ich darüber nachgedacht und mit A darüber geredet, ob wir vielleicht mal ein anderes System ausprobieren wollen, irgendwie zu mehr Spontaneität kommen können – z. B. immer “nur” einen Tag im Voraus zu planen, was die Übernachtungen angeht – damit den jeweils aktuellen Bedürfnissen, sowohl nach Rückzug/Alleinzeit, als auch nach Nähe/Austausch, mehr Raum gegeben werden kann. Wir sind uns aber schnell einig geworden, dass es angesichts der zeitlichen Rahmenbedingungen und der großen Entfernungen echt schwierig werden würde. Die Antwort ist natürlich “einfach”: Zusammen wohnen oder zumindest ganz nah beieinander. Dann wäre es für uns Erwachsene auch viel einfacher, Zeit zur dritt oder zu viert zu verbringen – was wir an sich durchaus gern machen, aber so lange das hart in Konkurrenz zur Zeit für Zweisamkeit steht und für eine Person, die nicht mit übernachten kann, 1,5 bis 2 Stunden Fahrtzeit bedeutet, deutlich weniger attraktiv ist.
    So ein anderes Wohnen erschien uns leider angesichts unserer finanziellen Lage – auch wenn man alle einbezieht – auf dem “bescheidenen” Hamburger Wohnungsmarkt so gut wie unmöglich. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf…)

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