Poly & Psyche I – Flo spricht Klartext

Jeany und Flo schaffen es gerade nicht, so viel für den Podcast aufzunehmen, wie ihr es gewohnt seid. Das liegt nicht nur am Urlaub in Schweden, den Jeany, Marcel & Flo zu dritt verbracht haben, sondern auch an Flos psychischer Verfassung. In dieser Folge redet er darüber, wie es ihm gerade geht.

Nach einer Phase der relativen Entspannung in den letzten Monaten sind Flos Depressionen wieder stärker geworden. Es ging so weit, dass Flo keine Freude mehr empfinden konnte. Dies hat natürlich auch den gemeinsamen Urlaub beeinträchtigt. Vor allem haben es ihm die inneren Vergleiche mit Marcel schwer gemacht, die Beziehung zu Jeany so anzunehmen, wie sie ist. Eifersucht war das Resultat.

Eine große Rolle spielt auch Selbstüberschätzung: Jeany hatte Flo vor dem Urlaub mehrfach gefragt, ob es wirklich in Ordnung ist, zu dritt zu fahren und ob wir nicht lieber getrennt voneinander (also in Zweierkonstellationen) Urlaub machen wollen. Durch die vorhergehende Phase der Entspannung dachte Flo aber “das schaffe ich” und konnte sich selbst nicht eingestehen, dass er sich damit überfordert.

Auch hat Flo sich in letzter Zeit oft etwas vorgemacht, wie es ihm geht. Das hat auch Auswirkungen auf den Podcast – der Eindruck, den Flo von sich vermittelt hat, z.B. beim Thema Eifersucht, war ein anderer, als wie es ihm wirklich geht. Auch Erwarungshaltungen und Selbstbild werden thematisiert.

Wie erlebst du psychische Erkrankungen in deinen Beziehungen? Schaffst du es, für die kranke Person da zu sein, ohne es die Beziehung dominieren zu lassen? Schreib es uns in die Kommentare!

PS: Flo wird in nächster Zeit keine Beziehungsberatung anbieten.

PPS: Wir haben in letzter Zeit viele Spenden von euch bekommen – dafür sagen wir ein herzliches Danke!

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6 Gedanken zu „Poly & Psyche I – Flo spricht Klartext“

  1. Ich bin gerade sehr froh, dass wir uns letztendlich für eine exklusive Beziehung entschieden haben. Wir haben es anders probiert, aber ich bin psychisch nicht dazu in der Lage. Ich habe such eine ganze Zeit still gelitten, weil mein Kopf gesagt hat, dass meine Gefühle quatsch sind und irrational und keinen Wert haben.
    Aber nachdem es mir wirklich schlecht ging, haben wir uns füreinander entschieden und leben zumindest momentan exklusiv füreinander, monogam.
    Es hatte auch viele Vorteile, aber insgesamt mehr Nachteile.
    Ich wünsche dir, dass ihr eine Lösung finden könnt, mit der ihr alle zufrieden seid.

    1. Hej Thokka,

      es freut mich, dass ihr vorübergehend zu dieser Entscheidung gekommen seid. Für mich wäre das keine Option, weil ich auch selbst die “Vorteile” dieser Beziehungsform nutzen will (und auch aktuell nutze).

      Ich sehe das mittlerweile so: es gibt ein Bild von mir, dem ich gerne entsprechen würde. Dort stört mich überhaupt nichts, was Jeany & Marcel machen. Dass dem nicht so ist und ich mit manchen Dingen eben doch ein Problem habe, z.B. wenn höre wie Jeany und Marcel im Nebenzimmer Sex haben, heißt ja nicht, dass eine monogame Beziehung besser geeignet wäre.

      Was mir geholfen hat ist, den Situationen, die mir nicht gut tun, auszuweichen und mir einzugestehen, dass es solche Situationen gibt. Es würde mich nicht glücklich machen, in eines der Extreme zu verfallen – eine monogame Beziehung oder die Annahme, dass mich überhaupt nichts stört.

  2. Hey,

    finde ich auch super, dass du so offen darüber sprichst, was (schon länger) so in dir vor sich geht.
    Bei dem Punkt mit der toxischen Männlichkeit fühle ich mich ertappt und erkenne mich da auch selbst oft drin wider und das, obwohl ich kein Mann bin. Ich denke, nicht nur Männer können toxische Männlichkeit verinnerlicht haben (das wäre auch mal ein spannendes Thema für eine Folge, inwieweit toxische Männlichkeit unabhängig von dem eigenen Geschlecht sein kann). Ich neige leider auch dazu, mich sehr oft zu vergleichen und auch meine Beziehung zu vergleichen. Selbst wenn meine Partnerperson zu diesem Zeitpunkt nur mit mir eine Beziehung führt. Ich vergleiche dann damit, wie es einst war z.B. (Stichwort new relationship energy -NRE) dass es am Anfang noch unbeschwerter war, ohne Erwartungshaltungen (das erwähnt ihr ja auch), dass da wohl noch mehr Interesse mir gegenüber bestand, weil alles noch so neu war etc. Oder ich vergleiche mit dem, was andere so in ihrer Beziehung haben und damit, was ich *eigentlich* gerne hätte (aber so nicht möglich oder gewünscht ist von Seiten meiner Partnerperson). Natürlich schneidet unsere Beziehung bei solchen Vergleichen dann nicht gut ab und Unmut und Streit sind dann die Folge 🙁 Es wäre wirklich toll, einfach nur sein zu können und es so zu leben, wie es kommt, aber das kann ich auch nicht.

    Und auch der Punkt, den du am Ende nennst, beschäftigt mich immer wieder sehr. Die Angst, von der Hauptbeziehung zur Nebenbeziehung zu werden. Ja, ihr lebt beziehungsanarchistisch und da habe ich mich gefragt, schließt die BA eine Hierarchie in Beziehungen kategorisch aus? Also wäre es ein innerer Widerspruch, wenn man BA leben würde, aber dennoch eine Hierarchie hätte? Wenn ich z.B. mehrere Beziehungen habe, mit einer Person lebe ich und habe mit ihr schon viel durchstanden gemeinsam, mit einer anderen Person treffe ich mich nur ab und an, um Sex zu haben und nen Film zu schauen…Ich kann es zwar so betrachten, dass jede Beziehung auf ihre Art besonders ist, aber dennoch, wenn ich bei der ersten Beziehung eine viel stärkere Verbundenheit, Vertrauen, Nähe etc. empfinde, ist dann nicht allein dadurch eine Hierarchie gegeben (selbst wenn ich eigentlich eine egalitäre Beziehungsform leben wollte)? Es gibt ja auch die Unterscheidung zwischen preskriptiver und deskriptiver Hierarchie und ich denke in dem Beispiel wäre das dann eine preskriptive Hierarchie.

    Ich habe auch Angst davor, von der Haupt- zur Nebenbeziehung zu werden. Oder vielmehr, ich habe das Gefühl, dass genau das gerade passiert und ich (alleine) lernen muss, damit klar zu kommen bzw es lernen muss, hinzunehmen. Weiter oben schrieb ich aber, dass meine Partnerperson aktuell nur mit mir zusammen ist. Wenn ich die momentane Beziehung mit dem vergleiche, wie unsere Beziehung einmal war, dann fällt mir nämlich auf, dass sie jetzt weniger Zeit mit mir verbringen mag, es oft nicht mehr so lustig und frei ist wie damals, sie weniger Interesse an mir zeigt und auch öfters lieber mit anderen Menschen oder auch ganz alleine Zeit verbringen möchte. Es fühlt sich so an für mich, als ob ich früher mal ihre Hauptbeziehung war und jetzt ist sie selbst ihre Hauptbeziehung und ich wurde/werde zur Nebenbeziehung. Es macht mich wirklich traurig und ich habe bisher auch noch keinen Weg gefunden, damit umzugehen.

    1. Hej Maria,

      dass toxische Männlichkeit nicht nur von Männern ausgehen kann, ist ein spannender Gedanke! Eine bekannte hat neulich gefragt, ob es überhaupt “Männlichkeit” ohne Toxizität gibt.

      Ich habe neulich in meiner Therapiegruppe über mein Beziehungskonzept gesprochen und dabei auch die Hierarchie (die ich nicht haben will) erwähnt. Die Therapeutin meinte dann, dass “Hierarchie” ja ein negativ besetzter Begriff ist und die Sehnsucht danach, bei jemandem die Hauptrolle zu spielen, ja durchaus berechtigt ist. Ich glaube, eine Art verschiedener “Rollen” spielen alle Beziehungen und es gibt ja in Filmen auch mehrere Hauptrollen 🙂

      Tut mir sehr leid zu hören, dass du den Eindruck hast dass das gerade passiert 🙁 Eine Beziehung zu sich selbst ist ja schon wichtig, aber gibt es bei dir ganz praktische Situationen, in denen du das Gefühl hast, zurückgewiesen zu werden?

  3. Hey Flo,

    ich finde es toll, dass du im Podcast so offen über deine aktuellen Probleme sprichst. Ich wünsche dir gute Besserung! <3

    Und generell danke, dass ihr ein Update gebt. Hatte mich schon gewundert, dass keine neue Folge kam – ohne dass dahinter irgendeine Anspruchshaltung stünde. 🙂

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