NRE vs. ORE

Nach längere Zeit, geröstetem Gehirn aufgrund Corona-Infektionen und ihrer Trennung haben es Jeany & Flo geschafft, eine neue Folge aufzunehmen. Dieses Mal geht es um New Relationship Energy und Old Relationship Energy.

In der Einführung (inklusive Definition) geht es um eigene Erfahrungen mit New Relationship Energy und das Suchen danach. Spielen Verliebtheit oder Liebe eine kleine oder große Rolle in NRE/ORE? Flo erzählt auch von seinem eher hedonistischen Ansatz, Jeany dagegen ist es schneller zu viel.

Die beiden sprechen auch darüber, ob NRE sich anders anfühlt, wenn ORE schon besteht – spielt die ORE dabei die Rolle des “Netzes”, ohne das man ins Bodenlose fallen kann? Oder bietet die mehr verfügbare Zeit und emotionale Kapazität die Chance, ohne ein gefestigte Beziehung NRE ganz anders zu erleben?

Wie fühlt sich NRE und wir ORE für dich an? Intensiviert oder gefährdet NRE eine bestehende Beziehung? Und strebst du danach, “ständig” NRE zu spüren? Schreib es uns in die Kommentare – wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

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2 Gedanken zu „NRE vs. ORE“

  1. Hey,

    ich finde es schön, wieder eine neue Folge von euch zu hören und freut mich auch, dass ihr Corona so einigermaßen gut überstanden habt.

    Mir ist aufgefallen, dass in poly Zusammenhängen meist nur über NRE gesprochen wird, daher finde ich es gut, dass ihr in dieser Folge auch auf ORE eingeht (die wird scheinbar sonst eher nicht so beachtet?). Mir selbst geht es eher so, wie Jeany es beschreibt. Mir ist Sicherheit, Vertrautheit und Beständigkeit in Partnerschaften sehr wichtig und von daher gefällt mir eigentlich ORE besser als NRE, eben weil NRE noch so viel mit “sich beweisen müssen”, Unsicherheit und Ungewissheit zu tun hat. Ich bin da wohl eher auf Langfristigkeit orientiert und nicht so auf viel Adrenalin und Auf und Abs. Aber dennoch kommt es auch vor, dass ich Momente habe, wo ich daran denke, wie es zu Beginn der Partnerschaft mal war und merke, dass mir bestimmte Dinge eben fehlen, die jetzt nicht mehr so, sondern anders sind. Ich denke, es ist ein wichtiger Punkt, es annehmen zu lernen, dass sich jede Partnerschaft mit der Zeit verändert. Sie wird anders, aber das muss nicht automatisch bedeuten, dass das was Schlechtes ist. Meine Wahrnehmung fokussiert dann wohl noch zu sehr den Verlust und nicht das, was anstelle dessen hinzu gekommen ist.

    Beim Hören hatte ich noch einige Gedankengänge und Anmerkungen, die ich mit euch teilen mag.

    Zu Beginn erklärt ihr NRE und es klingt danach, als hätte NRE viel mit Verliebtsein zu tun. Ich kenne einige aromantische Menschen (die sich generell nicht in andere Menschen verlieben (können)) und habe mich dann sofort gefragt, ob das dann bedeutet würde, dass sie keine NRE erleben können. Ich weiß aber, dass diese Menschen auch zu Beginn einer neuen Partnerschaft NRE empfinden, also hat es vermutlich weniger mit “sich verlieben” zu tun als mehr mit dem “Reiz des Neuen”, Hormonen und Neurotransmittern, die ausgeschüttet werden. (Aber genauso kann man sich ja fragen, was es bedeutet, sich zu verlieben.)

    In Bezug auf das Datingverhalten und inwiefern man denn auf der Suche nach NRE wäre, habt ihr ja beschrieben, dass ihr in dieser Hinsicht ziemlich unterschiedlich seid. Ich habe mich daraufhin gefragt, inwiefern es sein kann, dass das eigene Datingverhalten durch das eigene Gender bzw. die geschlechtsspezifische Sozialisation beeinflusst ist/werden kann. Also das hat dann auch viel mit Geschlechterstereotypen zu tun, die einem von klein auf vermittelt werden. Bei dem, was Flo so beschrieb, musste ich daran denken, dass dies eher Verhaltensweisen in Bezug auf Dating sind, die bei Männern gesellschaftlich gefördert werden bzw. dem Bild eines Mannes entsprechen und bei Jeany waren es eher Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft Frauen zugesprochen werden (eben dass einem Sicherheit und Vertrautheit sehr wichtig ist, man nicht so schnell den Partner wechseln mag, nicht das Bedürfnis hat, so viel raus zu gehen etc). Ich selbst hinterfrage ja gerne Stereotypen und möchte euch da auch nichts unterstellen, aber ich denke, dass auch sowas einen Einfluss auf das eigene Verhalten haben kann.

    An einer Stelle beschreibt Flo, dass er häufiges Daten nicht als stressig empfindet, sondern vielmehr mit Ruhe nicht so gut umgehen kann und immer in Bewegung sein möchte/will. Ich kenne das auch so von Personen aus meinem näheren Umfeld und stelle mal die Frage in den Raum, inwiefern das auch eine Art Abwehrmechanismus sein kann, um sich von sich selber und den eigenen (unangenehmen) Gefühlen, die in einem Moment der Stille hochkommen könnten, abzulenken. Auch ständig viel Zeit mit Partnern verbringen zu wollen, kann ja diesen Effekt erfüllen (das kenne ich von mir selbst).

    An einer Stelle ging es darum, dass man, wenn man eine neue Partnerschaft eingegangen ist, dann den “alten” Partner als Rückhalt hat und auch mit ihm darüber reden kann, wenn es mit dem neuen mal nicht so gut läuft (dies setzt allerdings voraus, dass es für den “alten” Partner ok ist, darüber zu reden, das ist es ja auch nicht immer) und dabei sagte Jeany glaube ich “anders als mit/bei Freunden”, also dass sie sich Freunden da wohl nicht so anvertrauen könnte wie einem “älteren” Partner. Das klingt für mich schon so, als würde es (in dieser Hinsicht) dann eine Unterscheidung geben zwischen Partnerschaft und Freundschaft, aber ist es nicht bei der Beziehungsanarchie so, dass man eben gerade keinen Unterschied macht zwischen den verschiedenen Beziehungen zu Menschen? Das hat mich etwas irritiert.

    An einer Stelle geht es darum, dass es sein kann, dass man noch nicht (wieder) bereit ist für ORE. Flo sagt “Es dauert so 2-3 Jahre, bis ich mich wieder nach ORE sehne”. Ich frage mich, was das dann bedeutet für eine eingegangene Beziehung, die gerade im Übergang von NRE zu ORE ist. Wenn man zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht bereit ist für ORE, bedeutet das dann, dass man (deswegen) dann diese Beziehung beendet oder man zu dieser Person (mehr) auf Distanz geht, damit dadurch die Entstehung von ORE verhindert wird?

    Ihr habt dann noch darüber gesprochen, was denn wäre, wenn man als neue Person in ein bestehendes Polykül dazu kommen würde bzw. wenn man selbst die “ältere” Partnerperson ist und dann eine neue Person dazu kommt. Im Falle der neuen Person, die dazu kommt, hat mir ein wichtiger Aspekt gefehlt, der eventuell eine eigene Folge über Privilegien in Beziehungen wert wäre. Ähnlich wie das Pärchenprivileg gibt es ja durch die längere Form der Beziehung eine Art Privileg, dass die “ältere” Partnerperson im Vergleich zu der neu dazugekommenen hat. Zu wissen, ich komme dazu und da ist diese andere Partnerperson, mit der mein neuer Partner schon x Jahre zusammen ist und so viel geteilt und erlebt hat und die beiden sind sich so nahe, das kann auch ganz schön verunsichern und Angst machen.

    Ihr habt gesagt, wenn eine weitere Person dazu kommt, dann wäre es für die andere Partnerperson potentiell einfacher, damit umzugehen, wenn sie selbst auch eine weitere Partnerschaft hätte. Das kann ich nachvollziehen, aber frage mich, ob es selbst wirklich etwas an den eigenen inneren Schwierigkeiten ändert oder nicht viel mehr nur eine Ablenkung durch eine andere Person bzw. die NRE wäre. Auch wenn ich noch eine weitere Beziehung zum Ablenken oder Trösten habe, ändert das ja nichts daran, wenn ich mich im Inneren unzulänglich fühle. Hinzu kommt ja auch, dass (neue) Partnerschaften nicht mal ebenso vom Himmel fallen. Wenn man schon eine hat, dann ist das etwas anderes, aber ich finde es eher stressig, wenn ich mir vorstelle, ich “muss/sollte” jetzt daten, um auch noch eine andere Partnerschaft zu haben, damit ich besser damit klar komme, dass meine Partnerperson eine neue Beziehung hat. (Abgesehen davon ist die Frage, inwiefern ich dann überhaupt selbst eine weitere Person in mein Leben lassen könnte, wenn das für mich der ausschlaggebende Grund zu daten gewesen wäre.) Deswegen finde ich es gut, wenn man selbst auch gerne mal Zeit mit sich alleine verbringen kann und das auch weiter ausbaut (ganz am Ende sagt ihr das ja auch selbst, dass der Weg vielleicht einer ist, den man eher für sich alleine gehen muss und nicht als Beziehung zusammen). Im Endeffekt führt man ja auch immer eine Beziehung zu/mit sich selbst.

    Ein Knackpunkt von mir ist, dass ich es mir oft wünsche oder schön vorstelle, mit einer Partnerperson zusammen zu wohnen. Aber an einer Stelle sagt Flo, dass er dann plötzlich mit sich alleine Zeit verbringen musste und das ja ein Jahr lang nicht gemacht hat (als Marcel dann als Metamour dazu kam). Ich denke in dieser Hinsicht kann es echt nochmal schwieriger sein, wenn man zusammenwohnt. Also da könnte eine getrennte Wohnung mal von Vorteil sein, eben weil es da nicht ganz so stark auffällt, wenn dann die andere Person weniger da ist, weil sie eine weitere Partnerschaft hat. Die Frage ist auch, macht es für einen dann so einen großen Unterschied, ob die Partnerperson gerade keine Zeit/Lust auf einen hat, weil sie lieber alone time möchte oder weil sie sich lieber mit dem Metamour treffen möchte?

    Ich äußere zum Abschluss mal Wünsche.
    Ich wünsche mir noch Folgen zu den Themen Privilegien (in Beziehungen), alternative Beziehungsformen mit Menschen, die psychisch krank sind (also was ist z.B., wenn man keinen Zugang zu den eigenen Gefühlen hat oder wenn das Selbstbild sehr fragil ist, wenn man nicht vertrauen kann und immer befürchtet, verlassen werden zu können) und eine Folge dazu, was man tun kann, um verloren gegangenes Vertrauen in Beziehungen wieder her zu stellen.

    Liebe Grüße und alles Gute euch

    1. Hej Maria,

      ich beantworte mal der Reihe nach 🙂

      “Meine Wahrnehmung fokussiert dann wohl noch zu sehr den Verlust und nicht das, was anstelle dessen hinzu gekommen ist.” – kann ich total nachvollziehen.

      ” Ich weiß aber, dass diese Menschen auch zu Beginn einer neuen Partnerschaft NRE empfinden, also hat es vermutlich weniger mit “sich verlieben” zu tun als mehr mit dem “Reiz des Neuen”, Hormonen und Neurotransmittern, die ausgeschüttet werden.” – guter Punkt! Ich meine, wir wollten auch mal noch eine Folge zu sexuellen/romantischen Orientierungen machen, dafür wäre es sicher sinnvoll, aromantische Menschen einzuladen und das zu fragen.

      “Ich habe mich daraufhin gefragt, inwiefern es sein kann, dass das eigene Datingverhalten durch das eigene Gender bzw. die geschlechtsspezifische Sozialisation beeinflusst ist/werden kann.” – kann es und wird es glaube ich auch. Ich merke bei mir zwar dass ich auch bei anderen Dingen im Leben eher “sprunghaft” bin und gerne neue Einflüsse habe, aber mein Datingverhalten ist sicher auch teilweise männlich Stereotyp geprägt.

      ” inwiefern das auch eine Art Abwehrmechanismus sein kann, um sich von sich selber und den eigenen (unangenehmen) Gefühlen, die in einem Moment der Stille hochkommen könnten, abzulenken.” – ja, daran denke ich schon lange. Ich bin mir relativ sicher, dass das ein Teil von mir ist: “Langeweile” vermeiden, um nicht mit unangenehmen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Ich meditiere regelmäßig, um dem etwas entgegen zu halten, aber durch meine Therapie hab ich auch heraus gefunden, dass es mir schwer fällt, mich zu spüren. Und wenn niemand da ist, bleibt eben nur, sich selbst zu spüren – davor habe ich vermutlich Angst.

      “Auch ständig viel Zeit mit Partnern verbringen zu wollen, kann ja diesen Effekt erfüllen (das kenne ich von mir selbst).” – in diese Falle bin ich selbst getappt. Vor etwa einem Jahr habe ich Jeany gesagt, ich weiß gar nicht, was ich ohne sie anfangen würde. Das war dann die typische Abhängigkeit, wie wir sie ja auch schon beschrieben haben.

      “Ähnlich wie das Pärchenprivileg gibt es ja durch die längere Form der Beziehung eine Art Privileg, dass die “ältere” Partnerperson im Vergleich zu der neu dazugekommenen hat.” – ich glaube, das ist von Mensch zu Mensch und Beziehung zu Beziehung unterschiedliche. Ich habe dieses Pärchenprivileg nie gespürt, weder bei mir noch bei anderen (also wenn ich dazu gekommen bin). Eine Folge über Privilegien ist aber geplant.

      “Auch wenn ich noch eine weitere Beziehung zum Ablenken oder Trösten habe, ändert das ja nichts daran, wenn ich mich im Inneren unzulänglich fühle. ” – das sehe ich anders. Ich hab gemerkt, dass ich mich ganz schön quantitativ vergleiche und wenn jemand plötzlich Zeit mit jemand anderem verbringt (und damit weniger mit mir), dann übersetzt es mein Gehirn in eine Unzulänglichkeit von mir selbst. Wenn ich dabei aber eine intensive Beziehung zu jemand anderem habe, dann wird sowohl die Zeit, als auch mein Selbstwert etwas “aufgefangen”.

      “aber ich finde es eher stressig, wenn ich mir vorstelle, ich “muss/sollte” jetzt daten, um auch noch eine andere Partnerschaft zu haben, damit ich besser damit klar komme, dass meine Partnerperson eine neue Beziehung hat.” – been there, done that. Funktioniert nicht, dann kann ich nicht locker und erwartungsfrei sein beim Dating.

      “Deswegen finde ich es gut, wenn man selbst auch gerne mal Zeit mit sich alleine verbringen kann und das auch weiter ausbaut” – das stimmt und das war bei Jeany und mir leider nicht so. Dadurch, dass wir zusammen wohnen, haben wir (ich) nie wirklich den Abstand lernen können, den es gebraucht hätte, mich in der Hinsicht zu schützen.

      “Die Frage ist auch, macht es für einen dann so einen großen Unterschied, ob die Partnerperson gerade keine Zeit/Lust auf einen hat, weil sie lieber alone time möchte oder weil sie sich lieber mit dem Metamour treffen möchte?” – ich glaube, einen Unterschied macht es schon, aber keinen so großen mehr.

      Danke für die Folgenwünsche, die haben wir tatsächlich alle schon auf der Liste 🙂

      Liebe Grüße und schönes Wochenende!
      Flo

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