Interessen & Vorlieben

Jeany & Flo sprechen in dieser Folge über Vor- und Nachteile von gemeinsamen Interessen und Vorlieben in monogamen und polyamoren Beziehungen. Dabei plaudern sie, wie immer, gern aus dem Nähkästchen.

Für Flo sind Werte wichtiger als Interessen. Trotzdem ist es für ihn eine gute Sache, gemeinsamen Interessen nachgehen zu können. Auch der Wert von Freund*innenschaften ist nicht zu unterschätzen – unabhängig von der Beziehungsform.

Bei Sex als Interesse stellt sich die Situation aber noch etwas anders dar. Mit einem Fetisch oder einer starken Vorliebe, den der*die Partner*in in einer monogamen Beziehung nicht teilt, gibt es nur drei Möglichkeiten: akzeptieren, es niemals auszuleben, fremdgehen oder “überreden“. Letzteres ist “aus Liebe machen”, was auch in der Folge thematisiert wird.

Welche Interessen teilst du mit deinen Partner*innen, welche nicht? Wie teilt ihr eure Bedürfnisse mit anderen Menschen? Und wie fühlt sich das an? Schreib es uns in die Kommentare – wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

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Ein Gedanke zu „Interessen & Vorlieben“

  1. Huhu,
    ich kenne selbst aus meiner Partnerschaft die Situation, dass es sexuelle Praktiken und auch Fetische gibt, die man nicht zusammen ausleben kann. Diese drei Möglichkeiten, die ihr in Bezug auf mono Beziehungen für diese Situation erwähnt – es akzeptieren, fremdgehen (bzw es mit einer anderen Person ausleben) oder die Partnerperson “überreden/davon überzeugen”- können jedoch genauso für die jeweilige Partnerschaft gelten, auch wenn man poly Beziehungen führt. Sicherlich: in einer poly Beziehung habe ich einvernehmlich die Möglichkeit, diese Dinge mit einer anderen Person auszuleben, es wäre also überhaupt nicht notwendig, fremd zu gehen. Die andere Person zu überzeugen, stellt für mich nicht wirklich eine Option dar, weil da ja dann der Konsens fehlt und es sich auch nicht gut anfühlen würde, wenn ich wüsste, dass sie es nur mir zuliebe mitmacht, aber eigentlich gar nicht möchte.

    Es bleibt also trotz poly für mich nur zu akzeptieren, dass ich es mit ihr (niemals) ausleben kann. Und dann eben weiter zu schauen, ob es für mich eine Option wäre, es dann stattdessen mit anderen Menschen zu leben. Aber die Quintessenz ist eben, dass ich es mit ihr nicht ausleben kann und ich vom jetzigen Standpunkt aus nicht weiß, wie ich damit klar kommen soll. Hinzu kommt, dass es von ihrer Seite aus so eine generelle Abwehr davon ist, also dass sie das nicht möchte, es nicht ihres ist (obwohl sie es noch nie überhaupt mal ausprobiert hat). Ich selbst bin eher experimentierfreudig und mag es gerne, mit ihr zusammen sexuell Neues auszuprobieren und mich erfreut dann auch sehr, wenn es ihr gefällt. Aber ich weiß auch, dass ich nicht Gleiches von ihr erwarten kann, nur weil ich so drauf bin (Grenzen sind ja nicht immer symmetrisch).

    Ob ich es dann mit anderen ausleben kann/möchte ist eine andere Frage, die danach kommt. Ich weiß, dass es für sie völlig ok wäre, wenn ich dafür andere Menschen hätte und sie sich dann sogar für mich freuen würde. Ihr erwähnt an einer Stelle, dass es schwierig sein könnte, wenn eine Person einen Fetisch nicht mit ihrem Partner A ausleben kann, weil A diesen Fetisch nicht hat oder nicht offen dafür ist und die Person es dann mit einer anderen Person B auslebt, dass A dann eifersüchtig sein könnte oder neidisch auf die gemeiname Zeit ihres Partners mit B sein könnte. Nun, bei mir wäre es vielmehr so, dass ich mich schlecht fühle bei der Vorstellung, es dann mit Person B auszuleben und nicht mit Person A (die es ja nicht kann/möchte). Ich würde es irgendwie traurig finden, dass A das nicht möchte und ich dafür eine andere Person brauche und wir eben nicht diese Sache teilen, es ist ja auch etwas, was mich als Person ausmacht und hat auch für mich etwas damit zu tun, von meiner Partnerperson gesehen zu werden und angenommen zu werden als die Person, die ich bin.

    Ein wichtiger Punkt fehlte mir diesbezüglich nämlich noch bei euren Ausführungen und das wird mir auch jetzt beim Schreiben wieder bewusst. Personen sind nicht immer austauschbar in Bezug auf eigene Bedürfnisse. Also es kommt immer auch darauf an, inwiefern mein Bedürfnis an eine bestimmte Person gekoppelt ist. Geht es mir nur darum, ganz generell meinen Fetisch oder bestimmte Praktiken auszuleben oder geht es mir konrekt darum, dies mit einer bestimmten Person zu tun? Klar kann man jetzt einwenden, dass man selbst freier wäre, wenn man dahin käme, das voneinander gelöst/unabhängig sehen zu können, aber je nach Kontext ist das sehr schwer und ich denke auch, dass das nicht jede Person so kann.

    Die Frage ist deswegen, ob es überhaupt meinen Bedürfnis entsprechen würde, diese bestimmte Sache dann mit einer anderen Person auszuleben (falls es mir konkret darum geht, es mit meiner Partnerperson zu tun). Ich denke, im ersten Schritt geht es dann darum, annehmen zu lernen, dass eben nicht alles möglich ist mit dieser einen Person, auch wenn man es gerne so hätte (rational weiß ich, dass einem ein einzelner Mensch nicht alles geben kann, aber emotional ist das bei mir noch nicht angekommen und sie ist für mich ja etwas Besonderes und nicht einfach irgendeine Person). Das hat auch irgendetwas von Trauer und Verlust, finde ich. Habt ihr eine Idee, wie man damit am besten klar kommen kann? Einfach zu sagen, ja du lebst ja in einer poly Beziehung und du kannst dir doch dafür eine andere Person suchen, ist für mich nicht wirklich hilfreich, denn für mich ist sie eben nicht durch andere Menschen austauschbar.

    Gegen Ende ist mir noch etwas eingefallen, das aber auch wieder damit zu tun hat, inwiefern Menschen für einen austauschbar sind. Es geht um das Beispiel mehrere Monate zu verreisen, dass das in einer mono Beziehung dann wohl nicht möglich wäre, wenn die Partnerperson nicht das gleiche Interesse hätte und was gegen diesen Plan hätte (weil dann der Partner so lange weg wäre und dann auch Eifersucht hinzu kommen könnte), es aber in einer poly Beziehung ganz anders wäre, denn da wäre es ja möglich, das dann einfach mit einer anderen Person zu tun, die das Interesse teilen würde (oder eben alleine). Das klingt für mich sehr idealisiert und auch etwas naiv.

    Also warum sollte es denn die selben Schwierigkeiten in Bezug auf solche Pläne z.B. nicht auch in einer poly Beziehung geben? Ich kann jetzt eher aus der Perspektive der Person sprechen, die nicht mit auf die Reise käme und zuhause zurück bleiben würde. Ich hätte trotz poly Konstellation ein ziemliches Problem damit, wenn meine Partnerperson einfach mal so mehrere Monate weg wäre. Erstmal unabhängig davon, ob sie alleine weg wäre oder mit einer anderen Partnerperson zusammen. Aber natürlich käme dann auch noch der Punkt Eifersucht dazu, mein Kopfkino, dass sich die beiden in der Zeit dann viel näher kommen und ihre Bindung stärker würde als die zwischen mir und ihr oder sie da weitere Menschen kennen lernen würde und ich überhaupt nichts davon mitbekommen könnte (wir beiden haben ziemlich unterschiedliche Ansichten darüber, ab wann eine Information so relevant ist, dass man sie der anderen Person mitteilt). Und auch auf der anderen Seite, also wenn die Person mit einer bestimmten Person verreisen wollte, dann ist diese Person doch auch nicht so einfach auswechselbar, dass man dann halt einfach mit einer anderen Person die Reise macht.

    Also warum sollte die “zurückgelassene” Person in einer poly Beziehung nicht auch genauso traurig darüber sein, wenn die Partnerperson mehrere Monate weg ist? Oder eifersüchtig sein? Oder andersrum, warum sollte es nicht auch in einer mono Beziehung möglich sein, dass beide Partner so autark sind, dass diese Reise kein Problem darstellen würde?

    Ich finde halt auch den Punkt “es gibt kein Limit” schwierig und sehe das kritisch. Das ist auch ein Punkt, wenn nicht DER Punkt weswegen es in unserer Partnerschaft öfters Auseinandersetzungen gibt. Ihr ist ihre Freiheit sehr wichtig und sie möchte sich nicht limitieren lassen (so nennt sie es), während das auf mich eher so wirkt, als würde sie vorwiegend ihr eigenes Ding machen wollen, ignorant sein, mich nicht sehen und einbeziehen. Ich sehe es zumindest so, dass man in einer Partnerschaft auch zu einem gewissen Maß füreinander verantwortlich ist und es nicht egal sein sollte, was die eigenen Handlungen beim Partner auslösen (das sollte dann gemeinsam reflektiert werden). Deswegen, es ist zwar schön und gut, die Freiheit zu haben, möglichst alles umzusetzen, was man selbst will, aber bis zu welchem Preis? Und inwiefern wird dann berücksichtig, wie es der anderen Person dabei geht?

    Ich denke deswegen, dass es weniger mit dem Beziehungsmodell (mono oder poly) zu tun hat, wie man mit solchen Situationen umgehen kann, wenn die beteiligten Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Ich denke es hat mehr damit zu tun, wie die jeweilige Haltung dazu ist z.B. ob es mir wichtig ist, eine bestimmte Sache mit einer bestimmten Person zu machen.

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